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Geschichtliches

Die Humanistische Gemeinschaft Wiesbaden ist ein Zusammenschluss von humanistisch denkenden Menschen, die einen modernen weltlichen Humanismus vertreten, dessen Wurzeln bis in die Antike reichen. Die Humanistische Gemeinschaft sieht sich in der Tradition der Renaissance, der Aufklärung sowie der freireligiösen, freidenkerischen, atheistischen und humanistischen Bewegungen des 19. und 20. Jahrhunderts.

In der Mitgliederversammlung am 15. März 2015 haben wir uns von Freireligiöser Gemeinde Wiesbaden in Humanistische Gemeinschaft Wiesbaden umbenannt.

Freireligiös und Deutsch-Katholisch wie es im 19. Jhd. auch einmal hieß, waren Begriffe, die in damaligem historischen Kontext verständlich waren: nämlich als Alternative zu den beiden christlichen Konfessionen, mit der klaren Botschaft, sich weder von einem Papst noch von Priestern oder dogmatischen Religionsvorschriften eigenes Denken abnehmen oder verbieten zu lassen. Beide Begriffe waren im damaligen historischen Kontext verständlich und galten als Alternative für “kritisch” denkende Christen, für Humanisten, Atheisten, Agnostiker, Pantheisten, Freigeister und andere religiöse und areligiöse Dissidenten.

Beide Begriffe sind heute missverständlich: Bei Deutsch-Katholisch denkt man heute an Vieles, nicht aber an säkulare Traditionen. Und bei Freireligiös werden eher evangelikale Freikirchen assoziiert, statt weltliche Humanisten, die auf die menschliche Fähigkeit vertrauen, das Leben sinnvoll zu gestalten und Verantwortung für sich selbst zu übernehmen, ohne Berufung auf höhere Mächte oder göttliche Kräfte.

Mit unserer Umbenennung unterstreichen wir den säkularen Charakter unserer Gemeinschaft, die eine Weltanschauungsgemeinschaft und keine Religionsgemeinschaft ist. Die geschichtlichen Wurzeln unserer Gemeinschaft liegen im 19. Jhd. in der Zeit des deutschen Vormärz und den Demokratiebestrebungen dieser Zeit.

Als unsere Gemeinschaft am 8. März 1845 gegründet wurde, ging es darum,  politische, soziale und religiöse Reformen umzusetzen und Emanzipationsbestrebungen zu unterstützen. Entsprechend waren Frauen von Beginn an völlig gleichberechtigt, mit der Möglichkeit, ihre eigenen und auch politischen Vorstellungen in einem Rahmen zu artikulieren, der ansonsten nicht möglich war.

Für das prinzipielle Demokratieverständnis steht auch der Biebricher Bernhard May, der zu den Gründern unserer Gemeinschaft zählt. Er war einer der Abgeordneten im Vorparlament, das im Jahr 1848 die Nationalversammlung in der Frankfurter Paulskirche vorbereitet hat, in der die erste gesamtdeutsche demokratische Verfassung erarbeitet worden ist. Nach der Niederschlagung der Revolution von 1848/49 wurde vielen Revolutionären durch Bernhard May die Flucht ermöglicht und zwar über die Hammermühle, deren Besitzer er war, und die vor diesem Hintergrund  im Wiesbadener Volksmund auch “Herberge der Gerechtigkeit” genannt wurde.

Im Verlauf der nachfolgenden Jahrzehnte sah sich die Wiesbadener Gemeinschaft auch und gerade von Seiten christlicher Orthodoxie immer wieder Versuchen ausgesetzt, ihre durch die 1848 verliehenen Körperschaftrechte “rechtlich” gesicherte Stellung zu unterminieren. Im 20. Jhd. bedeutete das Verbot und die Auflösung der Gemeinschaft durch die Nazis eine tiefe Zäsur. Im Zuge der Neugründung nach dem Krieg wurden ihr dann die Körperschaftsrechte am 9. März 1954 durch die Hessische Landesregierung erneut bestätigt.