Häufige Fragen



Wir sind eine Gemeinschaft von Menschen mit freigeistiger, undogmatischer Weltanschauung. Wir sind eine vom Staat als Körperschaft des öffentlichen Rechtes anerkannte Weltanschauungsgemeinschaft. In ihr sind Menschen unterschiedlicher Weltanschauungen organisiert. Unser Spektrum umfasst Agnostiker, Atheisten, Freidenker, Freireligiöse, Humanisten, Pantheisten und andere Freigeister. Was uns eint, ist das Eintreten für Toleranz und weltanschauliche Neutralität des Staates, für Solidarität der Menschen untereinander und Gerechtigkeit zwischen den Völkern, gegen Rassismus und Nationalismus, für Menschenrechte und soziale Gerechtigkeit sowie der verantwortungsvolle Umgang mit der Natur.


Die Humanistische Gemeinschaft Hessen (HuGH) hat ihre Wurzeln in der Aufklärung und der Demokratiebewegung der Revolution von 1848. Mehrere Gemeinschaften, die Mitte des 19. Jahrhunderts gegründet wurden und unter anderem als Freireligiöse Gemeinschaften gewirkt haben und wirken, sind heute der HuGH angeschlossen. Auch die HuGH war bis 2015 mit dem Namen Freireligiöse Landesgemeinschaft Hessen aktiv.


Namensbezeichnungen spiegeln Inhalte, für die man steht. Sie müssen im zeitbedingten Kontext unmittelbar verständlich sein. Im 19. Jahrhundert war der Begriff “Freireligiös” synonym für Humanisten, Atheisten, Agnostiker, Pantheisten, Freigeister und andere religiöse und areligiöse Dissidenten. Heute werden bei dem Begriff “Freireligiös” eher evangelikale Freikirchen assoziiert, statt weltlichen Humanisten, die auf die menschliche Fähigkeit vertrauen, das Leben sinnvoll zu gestalten und Verantwortung für sich selbst zu übernehmen, ohne Berufung auf höhere Mächte oder göttliche Kräfte. Mit unserer Umbenennung unterstreichen wir den säkularen Charakter unserer Gemeinschaft, die eine Weltanschauungsgemeinschaft und keine Religionsgemeinschaft ist.


Um es mit Immanuel Kant zu sagen: “sapere aude!” – Wage es, deinen eigenen Verstand zu gebrauchen. Das beinhaltet kritisches Fragen und auch das Hinterfragen von Glaubensgewissheiten. Immanuel Kant, der einer der bedeutendsten Vertreter der deutschen Aufklärung ist, hat eine Ethik entworfen, die gesamtmenschlich ist und keiner religiösen Bezüge bedarf.


Unser Humanismus ist eine wertegebundene Lebensauffassung. Der Humanismus betont die natürliche Vernunftbegabung, die ethische Verantwortung, die soziale Bindung und die freie Persönlichkeitsentwicklung. Für das Verständnis des Humanismus’ besonders wichtige Themen sind: Natur, Individualität, Selbstbestimmtheit, Weltlichkeit, Solidarität, Kritik, Wissenschaft, Menschenbild, Ethik, Gemeinschaft, Lebenssinn.


Unser Weltbild ist durch Naturalismus und Wissenschaftlichkeit geprägt – insbesondere die Vorstellung von der Entstehung des Kosmos, der Evolution der Arten, der Sozial- und Kulturgeschichte sowie der Psychologie der Menschen. Alles geht mit rechten Dingen zu – ohne Eingriffe höherer und niederer Mächte, ohne höheren Sinn oder vorgezeichnetes Schicksal. Wir Menschen stiften den Sinn unseres Lebens selbst durch unser Tun und unsere Reflexion.


Nach unserer Auffassung erfüllt sich menschliches Leben im Diesseits. Die vielfach gestellte Frage nach dem individuellen Lebenssinn findet ihre Beantwortung im Leben selbst und bedarf keiner religiösen Komponente.


Unserer Auffassung nach ist Religion Privatsache. Dabei achten und respektieren wir alle religiösen und weltanschaulichen Orientierungen. Toleranz hat aber Grenzen, wo Menschenrechte verletzt oder missachtet und Positionen der Intoleranz vertreten werden. Wir möchten, dass alle Religionen und Weltanschauungen von einem säkularen Staat gleichbehandelt werden. Prinzipiell setzen wir uns dafür ein, dass die verfassungsrechtlich geforderte Trennung von Staat und Kirche verwirklicht wird (§ 137 Abs. 1 GG). Konkret fordern wir z. B. die Abschaffung der Kirchensteuer sowie die Sonderrechte für die Kirchen und dass das diskriminierende Arbeitsrecht in den christlichen Wohlfahrtsverbänden durch arbeitnehmerfreundliche und bekenntnisneutrale Lösungen ersetzt wird.


Wir wollen, dass der Humanismus neben den religiösen Orientierungen als prägende weltliche Kraft in unserer Gesellschaft angemessen wahrgenommen wird. Über die Hälfte der deutschen Bevölkerung orientiert sich unabhängig von ihrer Konfession an humanistischen Werten und etwa ein Drittel ist konfessionsfrei. Die HuGH bietet konfessionsfreien Menschen die Möglichkeit, sich zu organisieren.

Wir unterstützen die vernunftgeleitete Selbstbestimmung des Menschen im Rahmen eines toleranten Miteinanders, welches die Verantwortung für das Leben und die Natur bejaht. Unsere weltlich-humanistische Ethik setzt sich für den Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen ein, um die Qualität und die Chance des Lebens auf unserem Planeten zu wahren. Wir stehen dafür,
  • dass sich die Menschen kultur-, traditions- und länderübergreifend als Gemeinschaft verstehen.
  • dass alle Menschen ein selbstbestimmtes Leben auf der Grundlage der weltweiten Durchsetzung der Menschenrechte führen können.
  • dass alle Menschen an politischen und gesellschaftlichen Prozessen aktiv mitwirken können.
  • dass faire Wirtschafts- und Sozialsysteme geschaffen werden, die allen Menschen ein würdevolles Leben ermöglichen.


Mit unseren Angeboten bieten wir eine weltliche, aufgeklärte und zeitgemäße Alternative zu den meist religiös intendierten Angeboten:
  • Wir fördern eine weltliche Feierkultur.
  • Wir bieten Veranstaltungen zu gesellschaftlichen, kulturellen, ethischen und weltanschaulich-philosophischen Fragen.
  • Wir geben Raum für Gemeinschaftsgefühl, das sich in unseren Unternehmungen, Treffen und Veranstaltungen niederschlägt und regen zur Diskussion an.
  • Wir bieten vielfältige Möglichkeiten für gemeinschaftliches, kreatives und konstruktives Engagement.
  • Wir vermitteln säkulare Werte und humanistische Weltanschauung in unserem staatlich anerkannten Unterricht für alle Schulformen und bis zum Abitur (Humanistische Lebenskunde).
  • Wir vertreten die Interessen konfessionsfreier Menschen und positionieren uns in unseren Stellungnahmen zu Themen, die aus unserer humanistischen Weltanschauung geboten sind.



Dazu gehören die Feste im Jahreslauf sowie die individuell gestalteten Höhe- und Wendepunkte des Lebens (Namensfeier als Begrüßung des Kindes, Jugendfeiern als Fest des Erwachsenenwerdens, Hochzeits- oder Partnerschaftsfeiern zum Beginn eines gemeinsamen Lebensweges sowie die würdevoll und im persönlichen Rahmen gestaltete Trauerfeier am Lebensende).


Die HuGH ist im Bundesland Hessen die einzige und im Bundesgebiet eine der wenigen Weltanschauungs-gemeinschaften, die eine weltliche Alternative zum dogmatischen Religionsunterricht anbieten können sowie eine Alternative für das Fach Ethik, das de facto nicht selten von Religionslehrern unterrichtet wird. Diese Alternative gilt für alle Schulformen (Berufsschulen, für Grundschulen, für die gymnasiale Sek. I & Sek. II) und schließt die Möglichkeit ein, mündliche Abiturprüfungen im Fach Humanistische Lebenskunde abzunehmen. Schülerinnen und Schüler, die sich für diesen Unterricht anmelden, sind nicht verpflichtet am Ethik- oder Religionsunterricht teilzunehmen. Humanistische Lebenskunde fördert die Entwicklung der Persönlichkeit und Selbstbestimmung der Schülerinnen und Schüler. Schwerpunkte sind die Gestaltung sozialer Beziehungen, die Lebensauffassung und Weltanschauung des Humanismus und die Wahrnehmung von Verantwortung für Natur und Gesellschaft. Nähere Informationen zur Anmeldung gibt es im Büro der HuGH.


Zu allen Veranstaltungen sind uns Gäste natürlich jederzeit herzlich willkommen. Für Mitglieder sind die Veranstaltungsangebote in der Regel kostenlos. Neben den ganz persönlichen Gründen (gewünschte Teilnahme an den Veranstaltungen, aktives Einbringen oder passive Unterstützung der Humanisten) spricht ein ganz prinzipieller Grund für eine Mitgliedschaft: Dass ich meiner Überzeugung Gehör verschaffe! Wer dem Einfluss der Religionsgemeinschaften auf Staat und Politik kritisch gegenübersteht und ein säkulares Gegengewicht wünscht, wer den Humanismus als prägende weltliche Kraft in unserer Gesellschaft für notwendig hält, der muss sehen, dass seine Stimme sozusagen nicht “verpufft” – im Klartext: er muss sich organisieren! Der Staat im Allgemeinen und die Hessische Landesregierung im Besonderen sprechen nicht mit Einzelpersonen, sondern mit Vertretern von Organisationen. Die HuGH gehört zu den institutionalisierten Gesprächspartnern der Hessischen Landesregierung. Auch auf diesem Wege können wir weltanschauliche Standpunkte aktiv einbringen und säkulare Interessen vertreten und je stärker die Gemeinschaft ist, desto durchschlagender.